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Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich mit Poesie großartig etwas anfangen kann. Jedenfalls nicht in der Form von Gedichten. Sicher, es mag sehr gute Werke geben, das will ich nicht bestreiten, aber irgendwie macht es mir keine großen Spaß Gedichte zu lesen. Oder ich habe mich zu wenig damit befasst, um welche gefunden zu haben, die mir Lesespaß bereiten.

Aber Fred Vargas ist eine Autorin, zu deren Stil mir nur das Wort „poetisch“ einfällt. Ich finde sie einfach genial. Ich liebe ihre Bücher, auch wenn ich bisher noch nicht alle gelesen habe. Aber ich bin überzeugt davon, dass ich die restlichen auch lieben werde. Ich liebe die Menschen, die sie beschreibt, sie sind toll. Ich wünschte, ich würde in der Welt leben, die sie beschreibt. Dabei tue ich das wahrscheinlich, ich wette, irgendwo gibt es Menschen, die so sind wie ihre Figuren. Ganz egal, wen sie skizziert, egal wie wichtig oder nebensächlich derjenige für den Fortlauf der Geschichte ist, jede/r für sich ist etwas Besonderes.

Allein der Kommissar, Jean-Baptiste Adamsberg, der einen Großteil ihrer Kriminalromane bewohnt, ist eine dermaßen interessante Person, dass ich ihn am liebsten persönlich kennenlernen möchte und gleichzeitig etwas Angst davor hätte, weil ich mich für zu simpel gestrickt für eine solche Begegnung halte. Es bereitet (mir zumindest) einen derartigen Genuss, ihre Beschreibungen und Dialoge zu lesen, dass ich wünschte, es gäbe unendlich viele ihrer Romane. Dabei weiß ich noch nicht mal, ob sie derzeit noch schreibt oder ob sie bereits aufgehört hat. Ich hoffe, nicht!

Ich möchte euch gerne eine Leseprobe geben, da ich irgendwie davon überzeugt bin, dass meine Altersgenossen/-innen nicht gerade Fred Vargas-Leser/innen sind und ich daher nicht davon ausgehe, dass ihr die Bücher bereits kennt. Eine Französischlehrerin von mir hat damals (als ich noch jung und in der Schule war ;)) versucht, uns eine Geschichte von ihr näherzubringen. Allerdings auf französisch (Ich sollte vielleicht erwähnen, dass Fred Vargas eine französische Autorin ist). Während wir uns mit den Wörtern abgemüht haben, hat unsere Lehrerin an den richtigen Stellen gelacht. Ich denke, für Sprachlerner ist es sehr schwierig, den Wortwitz zu verstehen. Ich schließe mich da mit ein, ich hab schon wieder so viel verlernt, dass ich nur noch etwas Gelesenes zum Teil übersetzen könnte und mit Mühe vielleicht ein zwei Sätze zusammenbekomme…

Da ich mich nicht für einen bestimmten Absatz entscheiden kann, den ich euch zur Verfügung stellen möchte, habe ich den Zufall entscheiden lassen:

„Danglard breitete seine langen Arme aus und ging im Raum umher. Seit fast einem Monat hatte dieser Alte – der zu allem Überfluss noch verlangte, dass man ihn Vasco da Gama nannte, als wäre er nicht so schon lästig genug – sein Sommerquartier auf der Bank gegenüber aufgeschlagen. Dort aß er, schlief, las und spuckte tonnenweise Olivenkerne und Pistazienschalen in die Umgebung. Und seit einem Monat schützte ihn der Kommissar unauffällig, als wäre er aus Porzellan. Mehrfach hatte Danglard versucht, Vasco zu verscheuchen, dessen Anwesenheit er zwar nicht verdächtig, aber doch lästig fand, und jedes Mal war Adamsberg ausgewichen und hatte gemurmelt, man werde sich später darum kümmern, der Alte werde schon irgendwann den Ort wechseln. Inzwischen war bereits Juli, und Vasco war nicht nur immer noch da, sondern brachte auch noch seinen stummen Diener mit.

‚Behalten wir den Alten noch lange?‘, fragte Danglard.

‚Er gehört uns nicht‘, erwiderte Adamsberg und hob seinen Finger. ‚Stört er Sie so sehr?'“

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